RP, 4.05.: Breites Bündnis stoppt die Nazis

KAISERSLAUTERN: Mehrere hundert Gegendemonstranten haben am Samstag mit einer friedlichen Blockade den geplanten Aufmarsch der Neonazis in Kaiserslautern verhindert. Bei zwei Kundgebungen und miteinem beeindruckenden Demonstrationszug protestierten etwa 800 Menschen gegen die Rechten.

Von Horst W. Müller

Auf dem Guimaraesplatz vor dem Hauptbahnhof dominiert die Farbe Grün. Mehrere hundert Polizisten riegeln den Platz ab, kesseln ein Paar Dutzend Neonazis ein. Die in Schwarz gekleideten Rechten formieren sich, schreien ihre Naziparolen, kommen aber keinen Schritt weiter.

In gut 50 Meter Entfernung, auf dem Asphalt vor der Hauptpost, sitzen knapp 100 junge Leute, darunter einige Punker, die fest entschlossen sind, die Neonazis aufzuhalten. Alleine wäre ihnen das nicht gelungen, doch die Gruppe bekommt Verstärkung: Einige hundert Gegendemonstranten, die sich zum breiten Bündnis gegen die Rechten zusammengeschlossen haben, stellen sich den Rechten in den Weg – und verhindern damit den geplanten und genehmigten Aufmarsch der Faschisten durch die Richard-Wagner-Straße und die Rudolf-Breitscheid-Straße. Um Krawalle zu vermeiden, hatte der Einsatzleiter der Polizei, Thomas Brühl, die Demo der Rechten auf den Bahnhofsvorplatz beschränkt.

Nach eineinhalbstündigem Aufenthalt reisen die Neonazis per Zug wieder ab. „Ein Sieg der Demokratie“, freut sich Oberbürgermeister Klaus Weichel, der mit in vorderster Reihe stand. Ihm ist die Erleichterung anzusehen, dass alles friedlich ablief.

Friedlich, aber dennoch machtvoll traten die Gegner der Neonazis auf. Ihr Demonstrationszug durch die Eisenbahnstraße schwoll von Meter zu Meter an, und als sich die Menge auf dem Boschplatz zur Kundgebung versammelte, schätzte Mitorganisator Michael Detjen die Teilnehmerzahl auf „knapp unter 1000″.

Die demokratischen Parteien waren vertreten, die Kirchen, die Gewerkschaften, die beiden Hochschulen, das Handwerk, der komplette Stadtvorstand und etliche Gruppen und Personen, die eines einte: das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik und die strikte Ablehnung des Faschismus. Die Vielzahl der teilnehmenden Gruppen bestätigt das Motto der Demonstration: „Kaiserslautern ist bunt – nicht braun“.

Weltoffen sei die Barbarossastadt und tolerant, hebt Weichel bei der Kundgebung hervor. „Hier ist kein Platz für Fremdenfeindlichkeit, Rassenhetze und braunes Gedankengut“, ruft der Oberbürgermeister. An die Gräueltaten des Naziregimes und „den fürchterlichen Zweiten Weltkrieg“ erinnert der Präsident der Fachhochschule, Uli Schell. „Man darf nicht vergessen“, beschwört er die Demonstranten und unterstützt sie darin, sich gegen die Neonazis zur Wehr zu setzen. Vor den „ewig Gestrigen“ warnt Bernd Rosenberger, der im Namen der Technischen Universität sprach. Er fordert alle auf, „Flagge gegen die Braunen“ zu zeigen, „die wir nicht haben wollen“.

Auch das Handwerk ist bunt, hebt Michael Lehnert, Vizepräsident der Handwerkskammer der Pfalz, hervor. Jeder zehnte Betrieb werde von einem ausländischen Mitbürger geführt, und ohne ausländische Jugendlichen könnten zahlreiche Lehrstellen nicht besetzt werden. „Wir lehnen jede Art von Diskriminierung ab“, stellt Lehnert fest.

Für eine freie, solidarische und sozial gerechte Gesellschaft tritt Alexander Ulrich ein, der im Namen der Gewerkschaften spricht. Die Nazis hätten 1933 die Gewerkschaftshäuser geschlossen, die Neonazis dieses Jahr einen Bus mit Gewerkschaftern überfallen, zeigt er Parallelen auf und warnt, die Rechten zu verharmlosen. Faschismus sei keine Meinung, „Faschismus ist ein Verbrechen“, stellt Ulrich klar und fordert alle auf, für ein Verbot der NPD einzutreten. Eine Forderung, die auch die Landtagsabgeordnete Ruth Leppla (SPD) und weitere Redner bei der Auftaktkundgebung vor der Stiftskirche morgens erheben. Viele traten dort ans Rednerpult, um Flagge gegen Rechts zu zeigen. Leider waren wegen der miserablen Technik nicht alle zu verstehen.

Quelle: Rheinpfalz (Pfälzische Volkszeitung), 4.04. 2009

Weitere Artikel: PRESSESPIEGEL KL & NW: 4.05. 2009