Böhl-Iggelheim: Erfolgreicher Antifa-Protest

Am 8.Mai, dem Tag der Befreiung der Welt vom deutschen Nationalsozialismus versuchten örtliche Neonazis um den bekannten Nazi-Kader und Hooligan Christian Hehl und dem Aktionsbüro Rhein-Neckar im kleinen Ort Böhl-Iggelheim eine „Mahnwache“ an einem ehemaligen amerikanischen Kriegsgefangenenlager durchzuführen. Diese „Mahnwache“ wurde durch lautstarken antifaschistischen Protest begleitet.

Wie schon zuvor berichtet versuchte heute der Nazi-Kader Christian-Hehl im vorderpfälzischen Ort Böhl-Iggelheim eine „Mahnwache“ durchzuführen.

Dieser Aufmarsch reihte sich ein in eine der „Freien Kräfte“ beworbenen Kampagne zum 8.Mai. Dieser 8.Mai soll im Zuge dieser Kampagne umgedeutet werden – TäterInnen werden zu Opfer, die alliierten Streitkräfte zu BarbarInnen stilisiert.

In diesem Kontext wurde auch der Aufmarsch am heutigen Abend durchgeführt. So wurde an einem „Gedenkstein“ zwischen Böhl und Iggelheim, welcher zur Erinnerung an ein ehemaliges amerikanisches Kriegsgefangenenlager errichtet wurde (der Stein selber hat schon einen fragwürdigen Inhalt und stellt sich in die Tradition von „Wehrmachtsdenkmälern“ und einer falschen Geschichtsschreibung), eine Kundgebung angemeldet.

Doch schon am Abend vorher kam es zu einem spontanen Protest von Wormser AntifaschistInnen in Iggelheim – über 1000 Flugblätter wurden verteilt und die AnwohnerInnen über den kommenden Tag informiert. Schnell organisierte Nazis aus den umliegenden Dörfern kamen zu spät um diesen Protest noch verhindern zu können.

Einige Stunden später wurde dann der „Gedenkstein“ mit roter Farbe adäquat verschönert und die „Gedenktafel“ mit PVC-Bauschaum unleserlich gemacht. Die Fronten waren also klar.

Nachdem die Stadt sich dazu außerstanden gesehen hatte irgendwie juristisch gegen den Naziaufmarsch vorzugehen und die PolitikerInnen nur einen Protest (ohne „linke Chaoten“) fern ab des Geschehens und zu einer anderen Uhrzeit vollziehen wollte, war praktischer und direkter Protest notwendig.

Doch die Polizei machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Schon ab 16 Uhr war die Gegend um den Stein weiträumig mit Hamburger Gitter abgesperrt. Es gab Vorkontrollen an den Zufahrtsstraßen und vereinzelt wurden Personen später nicht mehr in die Nähe des Protestes gelassen.

Es wird geschätzt, das gut 150+ PolizistInnen im Einsatz waren; darunter eine Hundestaffel und ca. 35 BFE-PolizistInnen.

Ab 17-18 Uhr versammelten sich nach und nach AntifaschistInnen aus der gesamten Region. Nach dem eher schwachen Protest am 2.Mai in Neustadt/Weinstraße (was auch auf das massive Polizeiaufgebot und den vorherigen Naziaufmarsch in KL zurück zuführen ist) kamen hier im provinziellen Böhl-Iggelheim am Ende doch gut 150 AntifaschistInnen zusammen, darunter 30-40 Personen aus dem Ort selber. Alleine diese Anzahl ist schon ein voller Erfolg – und ließ die „Parteiveranstaltung“ von SPD und CDU im Iggelheimer Ortskern ins Leere laufen.

Am Anfang kam es zu einem (eher zaghaften) Versuch einige Gitter wegzuräumen und direkt an den Stein zu kommen – dies scheiterte leider, neben der fehlenden Entschlossenheit, an der schnell verstärkten Polizei.

Mit reichlich Verspätung kamen dann gut 35 Nazis zusammen, um den Reden ihrer „Führer“ zu lauschen und ihren eigenen Mythos zu zelebrieren. Ohne Lautsprecher und sonstigen zusätzlichen Utensilien ging diese „Mahnwache“ aber im lautstarken Protest der AntifaschistInnen unter.

Die Polizei reagiert hier und da wie gewohnt über – eine Antifaschistin, welche angeblich eine Radieschen gen Nazis geworfen hatte, wurde 20 Meter über den Boden geschliffen und danach in Gewahrsam genommen. Auch später anreisende Personen wurden massiven Kontrollen unterworfen und nicht mehr in die Nähe des Protestes gelassen.

Nach einer knappen Stunde (angemeldet waren zwei) verließen die Nazis den Ort wieder geschlossen und dackelten die 200 Meter gen Bahnhof zurück – hier waren nun die BFE-Einheiten nötig, da der Protest sich direkt und lautstark an der Abzugsroute der Nazis formulierte. Ohne diesen Polizeischutz wäre es für die Rechtsextremen heute eher unschön ausgegangen….

Die Veranstaltung der Nazis konnte nicht verhindert werden – aber dafür ein deutliches Zeichen gesetzt werden, dass Antifaschismus auch in der Provinz lebt und aktiv ist – denn es gibt kein ruhiges Hinterland!

*Deutschland dekonstruieren – Nazis wegrockern!

Um Ergänzungen wird gebeten – insbesondere Facts zu den anwesenden Nazis…

Zusatz: Diesem Artikel ist der recht gut recherchierte Flyer der Antifa Speyer angehängt, welcher auch auf die deportieren Juden/Jüdinnen aus Iggelheim eingeht und welchen Mensch am 8.Mai vor Ort hätte gedenken sollen!

Zusatz 2: Die Naziszene in Böhl-Iggelheim besteht aus einem festen Kern von 5-15 Personen und einem lockeren Umfeld von weiteren 10 Personen. Es kam in den letzten Jahren (insbesondere nach FCK Fußballspielen) zu Übergriffen gegen MigrantInnen und Linken im Ort und im Umfeld des HBF. Auch wurde und wird immer wieder massiv Nazi-Propaganda geklebt. Trauriger Höhepunkt war ein Brandanschlag auf die Container-Siedlung der hier lebenden Sinti & Roma, welcher ein Nazi aus Böhl-Iggelheim verübt hatte. Der politische Aspekt wurde damals fast komplett verschwiegen und geleugnet. Böhl-Iggelheim reiht sich dabei ein in ähnliche Orte in der Region wie Hassloch, Schifferstadt, Limburgerhof und Neuhofen, wo eine recht aktive Naziszene immer wieder versucht die Jugendlichen vor Ort zu rekrutieren.

Quelle: Indymedia, 9.05.2009