Bericht von dem Anti-Nazi Protest am Dorfplatz

Kleiner Bericht von der Bügerkundgebung auf dem Dorfplatz Böhl-Iggelheim anlässlich des Nazi-Aufmarsches am 08.05.09

Vorkontrollen

Der Weg in Richtung Böhl war von der Polizei abgesperrt. Und selbst bei der bürgerlichen Veranstaltung wurden einige Personen kontrolliert. Scheinbar ging von dem mitgeführten VVN-Transparent eine Gefahr aus.

Eröffnung

Eröffnet wurde die Veranstaltung um 19 Uhr durch den Versammlungsleiter, (der im normalen Leben sein Geld bei der Polizei verdient), der gleich dazu aufforderte, nicht zum Stein zu gehen, um die Arbeit der Polizei nicht zu erschweren. Außerdem würde es die Taktik der Gegendemonstranten unterstützen, wenn viele Bürger anwesend wären. (Den Zusammenhang konnte er jedoch nicht genau plausibel machen.)

Peinlicher Auftritt des Bürgermeisters Christ

Danach sprach der Bürgermeister der Gemeinde Peter Christ und ließ sich zu einigen peinliche Aussagen hinreißen. Gleich zu Anfang seiner Rede, sagte er, er wende er sich gegen die Neonazis, aber ebenso auch gegen die Antifa-Gruppen, die dort vor Ort protestierten. Danach versuchte er zu begründen, weshalb er den Aufmarsch der Nazis nicht verboten habe: Wenn die Gerichte ein Verbot gekippt hätten, hätte er angeblich keine Auflagen für den Aufmarsch mehr machen können. (Leider ist das kompletter Unfug.) Hr. Christ äußerte weiterhin die Hoffnung, dass durch das Verhalten der Gemeinde und der Bürger und durch die Nicht-Beachtung, die Rechtsextremen und ihre „selbsternannten Gegner“ veranlasst würden, die Gemeinde in Zukunft in Ruhe zu lassen. Auch er rief die Bürger dringend dazu auf, nicht in Richtung Gedenkstein zu gehen. Er jedoch werde sich jetzt dort hinbegeben, um die Polizei vor Ort zu unterstützen.

Rede des Vorsitzenden des Jugendgemeinderats

Er sprach sich klar gegen die Neonazis aus und verwies auf die historische Verantwortung. Insgesamt war es eine recht kurze Ansprache.

Rede DGB-Regionalvorsitzende Jutta Steinruck

Deutlich erfrischender war die Rede von Jutta Steinruck, die klare und glaubhafte Statements gegen die Rechtsextremen abgab. Sie kritisierte den Bürgermeister dafür, dass er nicht einmal versucht habe den Aufmarsch zu verbieten. Dies wäre ein deutliches Signal der Verwaltung an die Nazis gewesen, es hätte es ihnen schwerer gemacht und ihre Ressourcen beansprucht. Auch warb sie für eine gewisse Toleranz hinsichtlich der Aktionsformen gegen die Neonazis, natürlich nur auf Grundlage der Gewaltlosigkeit. Sie schloss mit den Worten „Nazis verpisst Euch, keiner vermisst Euch!“, was auch auf einem Transparent zu lesen war.

Musik

Ebenso deutlich äußerte sich der Gitarrist und Sänger, der nach der Rede, und auch schon davor, einige, teilweise für den Anlass umgeschriebene, Klassiker zum Besten gab.

Gebet und kleiner Eklat

Die Veranstaltung endete mit einem ökumenischen Friedensgebet. Während den Sekunden des Schweigens nach dem Vaterunser ertönte zweimal der Ruf “Lunara” (Selbstbezeichnung der Nazis aus Ludwigshafen: Ludwigshafen, Nazis, Rassisten). Dieser kam von einem Mädchen (ca. 14 Jahre) das gerade mit zwei andere Teenagern etwa im gleichen Alter über den Platz radelte. Die drei wurden daraufhin von der Polizei kontrolliert. Ob die Beamten die Bedeutung dieses Ausspruchs kannten, oder ob sie die Kids nur wegen Fahrradfahrens in der Fußgängerzone angehalten haben ist leider nicht bekannt.

Quelle: linksunten.indymedia.org